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Wir leben heute in einer Zeit der Gleichberechtigung. Frauen dürfen all das, was auch Männer dürfen und umgekehrt. “Geschlechter-untypisches” Verhalten ist durch das Grundgesetz geschützt. Das ist sehr gut und sehr richtig!

Im Großen Heer betreiben wir „Histo-Larp“ und bemühen wir uns um die Darstellung von historischen Nordleuten mit ihrer Kleidung, ihren Waffen und ihrem Verhalten. Wir nehmen bewusst Abstand von modernen Moralvorstellungen. Somit muss sich jeder, ob Mann oder Frau, genau überlegen, wie der Charakter in diesem Setting aufgebaut wird.

Während es unseren männlichen Mitspielern meist leicht fällt, ein für sich passendes Konzept zu finden, haben manche unserer weiblichen Mitspielerinnen Fragen. Daher möchten wir den Frauen hier eine Einschätzung und Empfehlungen mit auf den Weg geben.

Im Allgemeinen war die Frau im frühmittelalterlichen Nordeuropa emanzipierter und unabhängiger als ihre Kolleginnen südlich des Meeres. Die Autorität der Frau lag eindeutig im häuslichen Bereich, dennoch konnte sie zu großem Ansehen gelangen. Die Frau war durch Gesetze geschützt. So durfte sie sich von ihrem Mann trennen, wenn sie mit ihm unzufrieden war und sich an das Thing wenden. Sollte sie gar einen männlichen, anerkannten Nachkommen geboren haben, so könnte sie sogar den Besitz ihres Mannes bis zur Volljährigkeit des Sohnes übernehmen und dem Vater bliebe nur Schwert und Pferd/Schiff.

Grundsätzlich: Die Nordfrauen waren sicher nicht feige. Sicher werden manche Frauen bei einem Angriff auf ihr Dorf den Männern geholfen haben, aber es wird auch einige gegeben haben, die sich selbst, die Kinder und Alten in Sicherheit brachten. In der Lagerverteidigung kann sie sich also mit einem Speer oder Bogen hinter die Männer stellen und diese unterstützen, denn wenn die Männer verlieren, droht Verschleppung oder gar der Tod. Leichte Waffen wie ein Ger, Sax oder Bogen sind eher Waffen, mit denen eine untrainierte Frau zurechtkommen dürfte.

Wir unterteilen im Folgenden in klassisch-weibliche Rollen und klassisch-männliche Rollen, in die eine Frau schlüpfen kann. Wir bitten Euch darum zwischen den beiden Kategorien nicht zu mischen, denn die Mischung von weiblich und männlich macht Euren Charakter sehr schnell sehr unglaubwürdig. Beispiel: Morgens Ehefrau im Kleid, nachmittags Kämpferin in Brünne auf dem Schlachtfeld. Das macht keinen Sinn, das ist weder Fisch noch Fleisch, das ist „Rosinenpicken aus OT Motivation“. Bitte macht ein möglichst eindimensionales Konzept. Alle Konzepte haben Vor- und Nachteile. Sich bewusst auch für die Nachteile zu entscheiden, also etwas NICHT zu können, verleiht deutlich mehr Tiefe.

Allen Frauen wünschen wir Mut zu eigenen, aber zum Konzept des Großen Heeres passenden Wegen! Fragt im Zweifel erfahrene Frauen des Heeres.

Beispiele klassisch weiblicher Darstellungen
1. Der Klassiker ist eine Frau, die ihren Mann oder Gefolgsherren begleitet, sich entweder um die Verwundeten kümmert (Heilerin), den Haushalt in der Fremde führt (Hausfrau, Verwalterin, Ehefrau) und/oder für das leibliche Wohl des Herren/der Krieger sorgt (Magd, Unfreie, Kebse, Köchin, Skaldin oder Trossweib). Hier liegen also direkt mehrere Konzepte auf der Hand.
2. Frau hat zwar keine Stimme beim Allthing, das heißt aber nicht, dass eine Frau sich aus Politik heraushalten muss. Sie muss die Männer inoffiziell überzeugen - und wenn das, was sie sagt, klug ist, wird es später auch offiziell vertreten. Das Konzept der Strippenzieherin ist sehr interessant und könnte Dich ansprechen, wenn Du gerne Politik und Intrigenspiel ausprobieren möchtest.
3. Sollte der Mann in der Fremde fallen, so fällt der Frau aller Besitz des Mannes zu. So ist ein mögliches Charakterkonzept das der sich selbständig machenden Witwe.
4. Du könntest auch eine der Runenfrauen (Völva) sein, die die Zukunft lesen kann, Blots durchführen wird und somit für göttlichen Beistand sorgt. Es versteht sich von selbst, dass ein Völven-Charakter sehr gute Kenntnisse der nordischen Sagenwelt und Runenkunde voraussetzt! Anfängerinnen wird empfohlen bei einem erfahrenen Spieler in die Lehre zu gehen und so die nötigen Fähigkeiten im Spiel zu erlernen. Völven stehen allerdings nicht gerade mitten in der Gesellschaft, sie sollten etwas Furchteinflößendes, Merkwürdiges an sich haben.

Beispiele klassisch männlicher Darstellungen
1. Die Kriegerin (Schildmaid). Sie kleidet sich wie ein Mann und sie gibt sich männlich in ihrem Verhalten. Es kann zum Beispiel eine Frau sein, die sich als Mann ausgibt oder eine, die als junges Mädchen bei einer Kriegerbande als Junge erzogen wurde.
2. Eine Frau könnte der einzige Nachfahre eines Jarls sein, und muss deshalb auch die Karle in der Schlacht befehligen können (Anführerin). Rollenspielerisch lässt sich da eine Menge herausholen, doch sollte man nicht zu dünnhäutig herangehen. Was nicht geht sind Amazonen in jeglicher Ausführung. Eine Kriegerin oder Anführerin sollte außerdem nicht die Frau eines der anwesenden Männer sein. Es ist einfach NICHT logisch.

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