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Grundsätzlich gibt es drei verschiedene durch das Geburtsrecht festgelegte Stände. Der Adelige (Hersir oder Jarl), der Freie (Karl oder Hus- bzw. Hauskarl) und die Leibeigenen / Sklaven (Thraelle).

Dazu können noch die Freigelassenen und Halbfreigelassenen kommen. Wird ein Sklave freigelassen oder hat er sich seine Freiheit bei seinem Herrn erkauft, ist er Halbfreigelassener. Bestätigt das Thing die Freilassung des Sklaven einstimmig, hat er ab diesem Zeitpunkt, wie jeder andere Freie, das Recht am Thing teilzunehmen.

Den Stand des Freien kann man „verbessern“, indem man sich als besonders (!) tüchtig im Krieg erweist.

Adel

Des Adeligen vornehmste Aufgabe ist das Thing zu leiten. Hierzu bestimmt er nach Rücksprache mit einem kleinen Kreis von Freien die Themen, welche auf dem Thing zu verhandeln sind.

Nur Adelige dürfen sich Gefolgschaft halten. Er schließt mit beliebig vielen Freien einen Vertrag. Er muss sie nähren, kleiden und bewaffnen, dafür müssen die Freien für ihn kämpfen.

Aus den Adeligen wählt man auf einem Thing den Anführer (Hetmann oder Heerkönig), der im Kriegsfall die Krieger in die Schlacht führt. Diese Wahl gilt aber nur für die Dauer des Kampfes.


Ein Thing ist eine Volks- und Gerichtsverhandlung aller Freien. Hier kann jeder Freie als voll Stimmberechtigter mitreden – bei Streiterein, der Festlegung von Wehrgeld, Gesetzes- und Regierungsfragen. Zudem darf er Waffen tragen und hat niemandem Abgaben zu leisten

Das Allthing findet einmal jährlich statt. Auf ihm verabschiedet die Volksversammlung gemeinsame Beschlüsse.

Die Freien können die Beschlüsse ablehnen oder annehmen. Ablehnung eines Vorschlags wird durch Murren, Annahme durch Aneinanderschlagen der Waffen ausgedrückt.

Könige und Hetmänner sind nicht die absoluten Herrscher, sondern von den Beschlüssen der Thinge abhängig und ihnen Rechenschaft schuldig.


Verbrechen werden hart bestraft, denn Recht muss Recht bleiben und Unrecht erfordert Bestrafung!

Wird ein Nordmann von einem anderen Nordmann im Streit verwundet, hat er ein Recht auf Wiedergutmachung. Die Höhe der Wiedergutmachung hängt vom Schaden ab. Zahlt der Schuldige nicht, hat der Geschädigte Anspruch auf das Fehderecht.

Als Verbrechen gelten Mord, Totschlag, Verrat, Feigheit in der Schlacht, Zauber, Brandstiftung, offener Raub und schwerer Diebstahl. All diese Verbrechen führen zu einem Friedensbruch.

Man unterschied leichten und schweren Friedensbruch. Zum schweren Friedensbruch gehörten die bereits erwähnten schweren Verbrechen (Feigheit in der Schlacht, Mord, Verrat, Zauber, Brandstiftung und schwerer Diebstahl). Wird der schwere Friedensbrecher auf frischer Tat ertappt, muss er sofort hingerichtet werden. Ist er flüchtig, erklärte man ihn für "friedlos": Nun ist er vogelfrei und jeder Freie, der ihn trifft, muss ihn töten.

Wer leichten Friedensbruch begangen hatte, wird auch für "friedlos" erklärt, aber nicht dem ganzen Volke oder Stamm gegenüber. Nur das Opfer der Untat oder dessen Sippe darf das Verbrechen rächen. Wehrgeld ist eine übliche Art und Weise den Frieden wieder herzustellen

Leichter Friedensbruch entsteht, wenn man nicht feige und hinterlistig sondern offen und ehrlich zu seinen Taten steht (offener Raub oder Totschlag).


Ehre bedeutet, sein Wort zu halten. Eidbruch, Lüge und Betrug werden von den Wikingern verachtet, auch wenn sie sie selbst (vor allem gegenüber Fremden) ständig begehen.
(Greg Stafford)

Drei Beleidigungen sind so verwerflich, dass die betroffene Partei entweder den Urheber der Beleidigung töten muss oder ihre Ehre verwirkt. Es handelt sich um den Vorwurf, jemand habe Verrat begangen oder sich gegenüber einem Anführer, dem er sich per Eid verpflichtet hat, illoyal verhalten; den Vorwurf der Feigheit; und schließlich die Beleidigung, jemand sei ein Nithing, was Ehrlosigkeit und Feigheit mit einschloß.
(Greg Stafford)


Konnte kein Urteil gefunden werden, das alle Beteiligten akzeptierten, so mussten die Gegner ihren Streit geregelt austragen. Als fairste Form dafür galt ein Zweikampf an einem abgegrenzten Ort, den sie nicht verlassen konnten, oft auf einer Insel (Holmgang). Diese Kämpfe dienten nicht der Klärung von Tatbeständen, sondern dazu, unklärbare Streitfälle mit möglichst wenig Blutvergießen zu beenden.
Quelle: "Der germanische Rechtsbegriff" Mimir, Volker G. Kunze, ORD


Missetaten von Außenstehenden mögen in vorgeschichtlicher Zeit nur den Rachetrieb der verletzten Sippe wachgerufen haben, der sich auch gegen die Sippe des Täters richtete und zur Feindschaft zwischen den beiden Geschlechtern führte, bis ein Sühnebetrag diesem Zustand ein Ende bereitete. Beim Totschlag verbindet sich mit dem Rachetrieb ein religiöser Moment: der weitverbreitete Glaube, dass der Erschlagene bis zur Rache keine Ruhe im Grab finden würde. Die verletzte Sippe steht für ihr Mitglied unbedingt ein, ohne Rücksicht auf sein Verschulden. Die isländischen Sagen zeigen deutlich, dass es als Schande gilt, die Tötung eines Blutsfreundes ungerächt zu lassen."
Quelle: "Germanisches Recht und Rechtsprechung", Brian - Zimmermann

Blutgeld

Erst im Laufe einer kulturellen Entwicklung wird die Blutfehde vom Sühneverfahren oder vom Blutgeld (Wergeld, Manngeld, Friedegeld) abgelöst, wobei ein immer differenzierteres Muster von Normen entsteht. Das Blutgeld wird vom Täter an den zur Blutrache Berechtigten gezahlt und richtet sich nach dem Wert des Verletzten oder Getöteten, nach seinem Stand, seiner Geburt oder seinen Verpflichtungen anderen gegenüber. Die Gleichheit vor dem Gesetz ist damals noch eine Utopie gewesen. Daß nach dem sozialen Status, nicht des Täters, sondern des Betroffenen, gestraft wird, gilt deshalb als selbstverständlich, weil Könige oder Herren wesenhaft höher stehen als Unfreie, ein Verbrechen gegen sie also schwerer wiegt. Freilich entsteht auf dieser Basis auch eine neue Form des Schutzes vor der Willkür der Mächtigen: wo der König ist, herrscht Königsfrieden. So wird nach lombardischem Recht bestraft, wer einen Mann überfällt, der zum König reist; in Skandinavien gilt es sogar als Bruch des Königsfriedens, einen Mann auch nur zu verwunden, wenn der König zufällig im selben Bezirk weilt. Bußgelder, vom König als oberstem Richter verhängt, mehren aber auch seinen eigenen Reichtum. Nach fränkischem Recht muß die Buße für die Vergewaltigung eines Mädchens, das zum Gefolge des Königs gehört, an den König, nicht etwa an das Opfer selbst oder an seine Sippe gezahlt werden."
Quelle: Germanische Rechtsprechung, Hannsferdinand Döbler,
"Die Germanen - Legende und Wirklichkeit", Heyne-Verlag 1979


Bei Kapitalverbrechen, in denen keine Versöhnung erreichbar ist, ist nach germanischer Tradition auch die Blutrache rechtmäßig. Wer durch eine Bluttat den Frieden bricht, kann ihn auch nicht mehr für sich in Anspruch nehmen: Er wird "friedlos". Offen und fair geübte Rache galt bei unseren Vorfahren als ehrenvoll, bedeutete aber Unfrieden im Stamm, der begrenzt werden musste.

Deshalb galt die Rache schließlich nur noch als rechtmäßig, wenn das Thing den Täter für friedlos erklärt oder, wie man auch sagte, geächtet hatte. Die Ächtung (Acht und Bann) war eine befristete, meist dreijährige Verbannung, die nicht nur der Sippe des Opfers ihr Recht auf Genugtuung, sondern auch dem Täter eine faire Chance gab.
Quelle: "Der germanische Rechtsbegriff" Mimir, Volker G. Kunze, ORD


Als ehrlichste Todesart galt das Enthaupten, als schimpflichste, die Strafe der Diebe, das Erhängen. Daher wurden mitunter wegen des selben Verbrechens Vornehme enthauptet, Leute niederen Standes gehängt. Es galt als Gnade, wenn ein Missetäter, der den Galgen verdient hatte, gerädert, ertränkt oder enthauptet wurde."
Quelle: "Germanisches Recht und Rechtsprechung", Brian - Zimmermann


Dieses Motiv weist zurück auf Gebräuche der Germanen, den Speer als ihre Abkommen heiligend zu betrachten. Nach germanischem Ritus wurde der Vertrag mit dem Absenken der Speerspitze geschlossen. Wotans Speer wird somit zum Symbol für Vertragstreue und Übereinkünfte zur Sicherung einer Ordnung in der Welt. Die vertragliche Treue der Parteien war in germanischer Zeit von essentieller Bedeutung, weil die Nichterfüllung einer rechtsgeschäftlich begründeten Verpflichtung ein Unrecht darstellte. Der nicht erfüllende Schuldner konnte friedlos erklärt werden und war damit der Rache des Gläubigers ausgesetzt, mußte doch der Bruch eines eidlichen Versprechens als Rechtsgrund zu einer Fehde begriffen werden.
Zitat "Forschungsseminar Recht und Musik"
Sommersemester 1998 Prof. Dr. Gerhard Robbers Universität Trier


Schon die ältesten germanischen Quellen unterschieden zwischen absichtlicher und nicht-absichtlicher Tat (Ungefährwerk). [...] Schon in der Urzeit dürfte es gewisse typische Tatbestände wie Fehlschuss oder Baumfälle, gegeben haben, die imstande waren, die Vermutung der bösen Absicht zu entkräften. Aber das Vorliegen eines solchen Tatbestandes genügte nicht immer, um die Tat als Ungefährwerk zu stempeln. Vielfach musste der Täter aus freien Stücken, bevor es zum Prozess kam, seine Tat in förmlicher Weise als Ungefährwerk feststellen, indem er durch einen Eid das Fehlen der Absicht erhärtete, und zugleich dem Verletzten Sühne anbieten. "
Quelle "Germanisches Recht und Rechtsprechung", Brian - Zimmermann


Ein noch eindrucksvollerer Weg, die Wahrheit eines Eides zu bezeugen, war die Feuerprobe. Feuerproben waren Gottesurteile. Sie waren vor 1000 Jahren in ganz Europa verbreitet und wurden erst vom 4. Laterankonzil (1215) verboten. Konnte
ein Angeklagter seine Unschuld nicht beweisen, so stand ihm die Feuerprobe frei.
Wie das vor sich ging, wird in einem alten südschwedischen Gesetzbuch beschrieben: "Trägt ein Mann das (auf Rotglut erhitzte) Wurfeisen, muß er damit neun Schritte gehen, bevor er es fortwirft. Wirft er es eher fort, ist er schuldig..." Trägt ein Mann das "Trogeisen", muß der Trog zwölf Schritte von ihm entfernt sein. Der Mann muß mit dem Eisen zum Trog gehen und das Eisen hineinwerfen. Wirft er es nebenbei, ist er schuldig."

Auch Frauen mußten sich dem "Kesselfang" unterziehen. Die Beweispflichtige mußte einen Stein aus einem Kessel herausholen, in dem das Wasser kochte. Hinterher wurden die Wunden verbunden. Drei Tage später wurden sie von einem Priester geprüft. Waren die Wunden sauber und begannen schon zu heilen, hatte die Frau die Wahrheit gesagt. Andernfalls war sie schuldig.

Auch der Kesselfang war natürlich sehr, sehr schmerzhaft, und sein Ausgang hing weitgehend davon ab, ob man gutes "Heilfleisch" hatte und ob die Wunde sauber blieb. Das Urteil "schuldig" oder "nicht schuldig" war daher alles andere als gerecht. Auch hier spielte der Aberglaube eine verhängnisvolle Rolle: Man setzte einfach voraus, daß die Götter dem Unschuldigen besondere Heilkraft verleihen würden, um der Wahrheit zum Sieg zu verhelfen. Aus demselben Grund glaubten die Wikinger auch, daß sich jeder Unschuldige ohne Bedenken diesen Gottesurteilen unterziehen würde; wußte er doch die Götter auf seiner Seite."

Quellen:
Brenda Ralph Lewis: Die Wikinger.
Mortelsman und Gerd Werner. Was ist was Band 58. Hamburg 1976
Susan M. Margeson: Wikinger. Sehen - Staunen - Wissen.
Robert Nicholson, Claire Watts: Jetzt weiß ich mehr über die Wikinger.


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