Zurueck


Nicht nur die Kultur und die Kleidung der Rus unterschied sie von ihren skandinavischen Nachbarn. Auch ihre Waffen und z.T. ihre Rüstungen unterschied sie von ihnen. Warem am Anfang die Waffen noch sehr ähnlich zu denen aus Skandinavien, veränderten sich diese, da sie sich den neuen Gegebenheiten anpassen mußten. Die neuen Feinde der Rus waren meist berittene Steppenvölker, so das sich die Ausrüstung der Rus auch hin zur Reiterei entwickeln mußte um der heran nahenden Reitervölkern Herr zu werden.
So gab es in der Rus, neue Truppengattungen:

1.) Schwere boyarische Panzerreiter:
Ihre Ausrüstung war in etwa wie folgt:
2.) Leichte Reiterei:
3.) Berittene Bogenschützen:
4.) Schwere Infantrie:

5.) Leichte Infanterie:

Nun wollen wir uns die Waffen- und Rüstungsgattungen im Einzelnen betrachten:

Der Säbel (Shashka):

Der Säbel war die Standart Einhandwaffe der Rustruppen. Er hatte eine Klingenlänge zwischen 75 und 97,5 cm bei einem Gewicht zwischen 800 und 950 Gramm. Dem Säbel fehlte der Knauf (Pommel) des Schwertes und somit das Gegengewicht am Ende der Waffe. Dies macht den Säbel zu einer kopflastigen Waffe, was ihn gerade für den Einsatz in der Reiterei anbot.

Das Schwert:

Das Schwert war eine Waffe, die i.d.R. von der sozialen Oberschicht verwand wurde. Dies liegt darin begründet, dass der russische Stahl recht spröde war und sich damit nur suboptimal zum Schmieden von zweischneidigen Klingen anbot. Die meisten Schwertfunde in der Rus stammen aus byzantinischer und fränkischer Fertigung. Die Standartlänge der Klinge lag zwischen 75 und 80 cm, bei einem Gewicht von etwa 950 - 1100 Gramm.

Der Palasch (russischer Streitkolben):

Der Pallasch bestand aus einem Holzschaft von etwa 80 cm Länge und einem Bronzekopf. Jener varierte in seiner Form, von einer runden Kugel über Kugeln mit Furchen bis hin zu mit Spitzen ausgeformten quadratischen Stücken. Der Kopf hatte ein Gewicht von etwa 300 bis 550 Gramm.

Der Fokosch (Hammerkopf Axt):

Der Fokosch war eine primäre Reiterwaffe. Er zeichnete sich durch seine besondere Form aus, so dass er am Axtkopf (Blatt auf der einen Seite), auf der gegenüberliegenden Seite in einem Hammer auslief. Geschäftet war er meist auf einem 60 bis 80 cm langen Holzschaft. Das Gewicht des Kopfes kann man mit etwa 500 Gramm angeben.

Der Stoßspeer:

Der Stoßspeer, war eine Waffe die meist der schweren Reiterei zugeordnet wird. Es gab mannigfaltige Ausprägungen in Form und Länge. Die Blattlänge lag zwischen 25 und 55 cm und war teilweise mit Flügeln ergänzt (Flügellanze). Dieses Blatt war auf einem etwa 220 bis 250 cm langen Holzschaft aufgepflanzt.

Der Speer:

Der Speer war eine Waffe die häufig bei der leichten Infanterie anzutreffen war, da eine solche Waffe günstig herzustellen war und auch in anderen Lebensbereichen Anwendung fand. Beim Speer ist die Blattlänge mit etwa 25 bis 35 cm länge anzugeben. Die Schaftlänge lag bei etwa 180 bis 200 cm.

Kleine russische Streitaxt:

Die russischen Streitäxte, waren deutlich kleiner als ihre skandinavischen Ausprägungen. Sie hatten häufig eine Blattlänge von 7 bis 12 cm bei einem gewicht zwischen 150 und 300 Gramm, dieses Blatt wurde auf eine Länge von 60 bis 80 cm aufgeschäftet. Dies ergab eine leichte, schnelle, aber nichtsdestotrotz tödliche Waffe.

Russische Langaxt:

Die russische Langaxt, hatte eine Schaftlänge von 175 bis 220 cm. Das Axtblatt (meist Helmdachaxt vergl. hierzu baltische Funde), war deutlich kleiner als ihr dänisches Pendant und bei weiten nicht so wuchtig. Dies lag darin begründet, dass sie nicht durch schwere Panzer des Feindes schlagen musste. Die Blattlänge lag in der Regel bei etwa 15 - 20 cm und einem Gewicht von 350 - 700 Gramm.

Der Bogen:

Bei den Bögen der Rus handelte es sich um Reiterbögen (siehe hierzu Reflexbögen) mit einer Schußkraft von 35 - 75 lbs. Die in skandinavischen Regionen oft verwandten Langbögen kamen in der Rus so gut wie gar nicht vor. Da diese nur suboptimal zu Reiterbögen taugten.


Jetzt schauen wir uns die Rüstungsvarianten an:

Die "Wattierung":

Die Wattierungen (nicht Gambesson, diese kamen erst ab der Mitte des 11.jhrds auf), waren meist aus mehreren Lagen Wolle oder Filz gefertigt. Sie reichten als Schutz vor leichten Schnitten und Stößen, waren aber nur gering geeignet um vor Beschuss zu schützen. Darum wurden die Wattierungen, von den besseren Truppengattungen durch verschiedene Rüstungsteile ergänzt.

Die Brünne oder auch als Kettenhemd bekannt:

Die Brünne war normalerweise im Flechtmuster 4 in 1 gewoben. 6 in 1 oder 8 in 1 kamen erst im 13. jhrd auf. Sie waren meist Oberarmlang und gingen bis zur Mitte der Oberschenkel und wurden mit dem Gürtel gerafft. Diese kurzen Brünnen hatten keine Schlitze am unteren Saum.
Ab dem 11. jhrd wurden die Brünnen der Reiterei, etwas länger (bis zu den Knien) und gingen über den kompletten Arm bis zum Handgelenk. Diese Reitereiausführung wurde aus Gründen der Zweckmäßigkeit unten mit je einem Schlitz vorne und hinten versehen.

Die slawische Brustplatte:

Dabei handelt es sich um einen Brustschild aus Lamellen, welcher mit Lederriemen über Riemenverteiler am Rücken geschlossen wurde. Sehr beliebt bei der leichten Reiterei und der schweren Infantrie.

Volllamelle:

Bei einer Volllamelle handelt es sich um eine Lamellenrüstung die mit Brust- und Rückenschild ausgestattet ist und darüber hinaus über Oberarm- und Oberschenkelkacheln verfügt. Als Standartform der Lamellen in der Rus betrachtet man die D-Form mit 8 Löchern zum Binden. Die Art der Bindung zeigt dem Betrachter auch die Truppengattung. Ist die Rundung nach oben handelt es sich um einen Reiterpanzer, ist sie jedoch nach unten ist es ein Infanteriepanzer. Möchte man einen historisch belegbaren Lamellar tragen bleibt nur die Variante aus Stahl. Die häufig verwendeteten Lederlamellen, sind zwar leichter und vom Schutz her vollkommen ausreichend, sind aber nicht zu belegen. Dies ist aber nur relevant wenn man eine belegbare Ausrüstung möchte, sollte dies nicht so wichtig sein, ist die Lederlamelle eine gute Alternative.

Helm:

Es gibt über 50 Helmfunde in der Rus, die sich von Jahrhundert zu Jahrhundert stark veränderten. Hier möchte ich auf das 10.jhrd eingehen. Die Rushelme sind üblicherweise konisch, spitz nach oben zulaufend und mit einer Tülle versehen. In die Tülle können Rosshaar oder Federn gesteckt werden. Häufig sieht man "Rus" mit Rosshaar im Helm (was sicher gut aussieht), aber leider nicht belegbar ist und eine reine moderne Stilinterpretation darstellt. Es gibt zwar Funde wo Rosshaar in Gräbern gefunden wurde, jedoch muss man dabei die Lage der einzelnen Stücke betrachten. Der Helm lag neben dem Kopf, das Rosshaar jedoch zu den Füßen des Körpers. Somit ist die Rosshaarthese als überholt zu betrachten. Hingegen weisen byzantinische Abbildungen auf Federn in den Tüllen hin. Also gilt auch hier, wer es historisch korrekt möchte sollte auf Federn zurückgreifen. Eine andere Möglichkeit des Helmabschlusses ist neben der Tülle, ein Ring oder auch eine Spitze. Die Helme der Rus im 10.jhrd gab es mit Nasal aber auch ohne. Brillenhelme sind für die Rus erst im sehr späten 12.jhrd zu belegen. Diese Brillenhelme hatten im Gegensatz zu ihren nordischen Verwandten meist noch ein zusätzlich langes Nasal angebracht, dass teilweise bis zum Kinn ging. Alle Helme gab es mit Kettenbrünne aber auch ohne. Die Brünnen gab es: als Nackenschutz, zum einhängen am Nasal, komplett befestigt am Nasal oder als Vollbrünne rund um den Kopf. Die Länge der Brünnen fiel unterschiedlich aus, so gibt es Varianten die bis über die Schultern fallen, aber ebenso auch solche die etwa den "Tunikaausschnitt" abdecken.
Häufig werden Rushelme zum Verkauf angeboten, solche wie sie gewiss schon jeder gesehen hat. Mit Messingtülle, Messingapplikationen und Nasal zum einhängen der Brünne. Leider muss man sagen das dieser Helm kein Rushelm ist, sondern ein westslawischer Reiterhelm aus Großpolen im 10.jhrd.
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