Zurueck


Der arabische Reisende Ibn Fadlan, widmete den Rus in seinen Texten ein weites Feld. Er schrieb: "....... Gott muss diese Menschen geliebt haben, als er sie erschuf. Sie waren groß wie Dattelbäume, stark wie Elefanten. Ihre Haare waren meist dunkel und ihre Haut von der Sonne verwöhnt. Sie sind gastfreundlich und spendabel, aber im Handel harte Verhandlungspartner. Ihre militärische Streitmacht und Kampfkraft ist riesig, sie scheinen beinahe nicht zu besiegen.
Es gibt nur eine negative Eigenschaft, die ich den Rus bescheinigen muss, und das ist das sie sich all ihrer Vorzüge vollends bewusst sind. ......."

Doch wie genau stelle ich einen Rus glaubwürdig dar? Was macht den Rus aus?
Auf diese Fragen möchte ich hier nun eingehen. Auch damals gab es bereits eine ausgeprägte Kultur in der Rus. Es gab Bibliotheken, Schreibschulen, Badehäuser, Tempel, Kirchen, Theater und vieles mehr. Man bemühte sich im späten 10ten - 11ten Jh. sehr stark darum, dass die Rus nicht als ein Volk von Wilden angesehen wurde, darum kam dem Thema der Bildung ein hoher Stellenwert zu. Viele aus der sozialen Oberschicht konnten lesen, schreiben und waren der Zahlenmystik (Mathematik) mächtig. Auch in Sachen Sprachen wurden Schulen gegründet, wo man (wenn man das nötige "Kleingeld" hatte) Sprachen wie Latein, Griechisch, Schwedisch oder Tatarisch lernen konnte.
Doch hier möchte ich einen Einblick in das Wesen der Rus gewähren, mich also nicht zu sehr auf eine soziale Schicht festlegen. Das Leben der Menschen war hart, wie der berüchtigte russische Winter. Die Menschen arbeiteten hart um sich etwas zu schaffen. Die Kiever Rus, war ein Großreich, sie bestand aus vielen, sich teilweise stark unterscheidenden Regionen was, es schwierig macht auf alle Nöte und Sorgen der einzelnen Stämme einzugehen.
Ich möchte dennoch versuchen, ein allgemein gültiges Bildnis der "russischen Seele" zu zeichnen, die es dem Leser erleichtern möge einen Rus glaubhaft darzustellen. Auch der Umgang unter den Rus war gänzlich anders als in anderen Regionen dieser Zeit. Ein Lurgi (freier Mann) sprach mit einem Boyaren (Adeliger ) oder seinem Knjaz (Fürst) wie mit seines gleichen. Natürlich war der Boyar teil einer höheren sozialen Schicht und hatte im Zweifelsfall mehr zu sagen als ein Lurgi, was jedoch nichts an dem herrschenden Umgangston änderte. Die Rus betrachteten ihr ganzes Volk als eine Familie, so gab es Aussprüche wie Brüderchen (Bratishka) Boyar oder Bruder (Brate) Druzinik. Den Kopf dieser Familie bildete der Fürst, so wurde er auch als Väterchen Fürst von seinem Volk bezeichnet. Diese Sprachtradition hat sich zum Teil bis heute erhalten, man bedenke Beispiele wie: " Mütterchen Russland" oder "Väterchen Frost".
Nun noch paar Worte zum familiären Leben in der Rus, in einer Familie herrschte uneingeschränkt der Mann, man spricht dabei von einem Patriarchat. Zumindest im öffentlichen Teil des Lebens war der Mann das uneingeschränkte Oberhaupt der Familie. Die Frau, war üblicherweise nicht geschäftsfähig, sprach in der Öffentlichkeit nur mit anderen Frauen und vermied den direkten Augenkontakt zu anderen Männern. Im Hause allerdings verhielt sich das alles anders. Hier war die Frau in ihrer Zuständigkeit, sie hatte die Schlüssel zu allen Türen, Schlössern und Truhen. Dennoch, sobald Besuch im Hause war, nahm der Mann sofort wieder seine Rolle als Oberhaupt oder Patriarch ein (zumindest vor dem Gast). Knapp zusammengefasst lässt sich sagen: der Mann war in der Öffentlichkeit, in finanziellen, und auch in geschäftlichen Fragen, das Familienoberhaupt. Die Frau hatte ihre Zuständigkeiten im Bereich der Haushaltsführung, der Verpflegung und der Betreuung der Kinder.

Ich denke dies ermöglicht einen kurzen aber prägnanten Eindruck der Rus. Wenn du, geneigter Leser, einen Rus darstellen möchtest, solltest du folgendes beachten:
Spiele den Rus als einen gastfreundlichen und sehr selbstbewussten Gesellen. Lasse Dein Gegenüber wissen, woher du kommst, denn die Rus waren stolz auf ihr Land und ihre Kultur. Verschwende keinen Moment ohne die Rus, seine Städte und Fürsten zu preisen. Zeige deinen Stolz unverhohlen und mische ihn mit der Überzeugung einer großen Kultur anzugehören. Zeige Dich aber auch milde anderen Völkern gegenüber, denn sie können nichts dafür, das sie in Deinen Augen ungebildet und ärmlichen erscheinen. Überhaupt ist die Meßlatte für Reichtum und Vermögen bei den Rus gänzlich anders zu betrachten. Ein vermögender Adeliger aus Skandinavien verblasste häufig im Vergleich zu einem russischen Boyaren (Adelsstand in der Rus).
Kurz gesagt, spiele deinen Rus, als gebildeten (je nach sozialem Stand) und gläubigen Menschen, dem die Gastfreundschaft ein hohes Gebot ist. Versehe deinen Charakter mit Eigenschaften wie Mut, Stärke, Vertrauen in seinen Fürsten, Liebe für sein Land und sein Volk, großem Geschäftssinn und der fast schon zur Überheblichkeit neigenden, Überzeugung aus einem großen Reich, voll reicher Städte und einem schier (in deinen Augen) unbesiegbaren Heer zu stammen. Wenn du dann noch die nötige Trinkfestigkeit mitbringst, steht einem Rus-Charakter fast nichts mehr im Wege.

Mögliche Darstellungen für die Kiever Rus:

1.) Leibeigene / Sklaven (Chaled) 2.) freie Männer und Frauen (Lurgi) 3.) Söldner (Nayemnik)
4.) Krieger (Druzinik) 5.) Adeliger/Adelige (Boyar/Boyarina) 6.) Fürsten (Knjaz)
7.) Großfürst ( velikji Knjaz)

Die letzten beiden Ränge/Posten hab ich nur der Vollständigkeit wegen erwähnt, aber einen solchen darzustellen ist annähernd unmöglich. Denn dazu wäre ein riesiger Tross nötig und eine Gewandung aus edelsten Stoffen und teuersten Schmuck.

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick, in die russische Seele gewähren und euch die Kultur der Rus etwas näher bringen. Wer mehr über die Kultur der Rus erfahren möchte, dem rate ich die Bücher von Semen Skljarenko an.
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