Zurueck


Hier möchte ich versuchen euch einen kleinen Eindruck über die Kleidung der Rus zu geben.
Beginnen werde ich hier mit der Kleidung der Männer.

Das Untergewand (Sorochka):

Als Standartgewand, gleich welchem Stande, gilt die Sorochka. Einfache Menschen trugen dieses Gewand aus ungeblichenem Leinen, für jene war es meist auch gleichzeitig das Obergewand. Die höheren sozialen Schichten trugen die Sorochka aus gebleichtem Leinen und ein Übergewand (Rubakha), dazu aber später mehr.
Die Sorochka war gerade geschnitten und etwa Knie lang. Sie lag eng am Körper an und hatte röhrenförmige Ärmel (welche oftmals überlang waren). Wer es sich leisten konnte, versah die Sorochka mit rotem Stick, z.b. an der Halsöffnung, an den Handgelenken sowie am Saum. Den Halsausschnitt gab es in 2 Variationen, zum einen ein einfach runder Halsausschnitt und zum anderen ein links versetzter (vom Brustbein betrachtet) Schlitz, welcher mit Knöpfen verschlossen wurde (je nach Stand waren die Knöpfe aus Holz oder Metall). Anbei sei noch bemerkt das es als unschicklich betrachtet wurde, wenn man die Sorochka ohne Gürtung trug.

Das Übergewand (Rubakha):

Wer es sich leisten konnte, der trug über der Sorochka noch ein Übergewand, die sogenannte Rubakha. Vom Schnitt her ist die Rubakha identisch mit der Sorochka, mit ein paar wenigen Veränderungen. So reichte der Saum der Rubakha mindestens bis zur Mitte der Wade oder gar bis zu den Knöcheln. Der Halsausschnitt war i.d.R. der seitlich versetzte Schlitz und wurde mit Metallknöpfen verschlossen. Mögliche Stoffe waren, feine Wolle, Leinen, Seide oder Brokat (je nach dargestelltem Stand). Vermögendere Menschen verziehrten ihre Rubakha durch Seiden- und Brokatansätze, sowie Stickereien mit Gold- oder Silberfaden. Auch hier gilt, das man eine Rubakha nie ungegürtet trägt!

Die Hose (Porta):

Die Typische Rushose war (anders als viele glauben), nicht die meist als solche verkaufte "Pumphose". Bei diesen Hosen handelt es sich um Rekonstruktionen aus Funden aus Birka und Haitabu. Die eigentliche Rus- / Slawenhose war eine Hose die aus drei Teilen bestand. Dabei handelt es sich um 2 Stoffstücke für die Beine und ein Verbindungsstück. Die Beine waren komplett weit geschnitten (bis zu den Knöcheln), d.h. ohne die weitverbreiteten Röhren über die Waden. Durch das tragen von Stiefeln entstand der Eindruck das es sich um "Pumphosen" handele. Sie wurde am oberen Saum mit einem Kordel (Gashnika), welches durch einen Kanal gezogen wurde, gehalten. Einfache Menschen trugen ungebleichtes Leinen, der höhere Stand, verwendete gebleichtes Leinen, Wolle oder auch Seide.

Beinwickel (Onuchi):

Die bei vielen Wikingern verwendeten Beinwickel waren in der Hochzeit der Kiever Rus eher selten. Beinwickel trägt man nur wenn man entweder einen sehr frühen Rus (d.h. 9.Jhrd) darstellt oder aber aus dem hohen Norden der Rus stammt wo der skandinavische Einfluß noch stark war. Onuchi bestehen i.d.R. aus Leinen oder ggf Wolle. Die Länge hängt vom Träger ab. Besonders vermögende Rus, legten über das Basismaterial noch eine Schicht Seide.

"Hosenbändchen":

Das "Hosenbändchen" bezeichnet ein kleines Stoffband mit dem man den Stoff am unteren Rand der Hose zusammenschnürte. Wenn man dies nun mit Halbschuhen kombinierte entstand ein Bild was den Hosen der Orientalen sehr ähnelt.

"Stulpen":

Die Stulpen, waren vom Schnitt her fast wie eine Fütterung für Stiefel geformt. Aber sie wurden nicht nur unter Stiefeln getragen, sondern auch in Kombination mit Halbschuhen. Die Stulpe reichte von ihrer Länge her bis zum Ansatz des Knies und schloß unten den gesammten Fuß mit ein. Mögliche Materialien sind Leinen, Wolle oder auch Seide.

Der Mantel (Svita):

Die Svita war eine Überbekleidung die in der gesammten Rus verbreitet war und von allen sozialen Schichten getragen wurde. Je nach Vermögen variiert die Svita in Material, Länge und Verzierung. Sie wurde über den Kopf gezogen wie eine Rubakha und hatte auf der Vorderseite einen Schlitz der bis zur Hüfte reichte. Dieser wurde mit Knöpfen verschlossen, diese bestanden je nach Vermögen aus Holz oder Metall. Das übliche Material für eine Svita war Wolle, welches ggf mit Leinen unterlegt wurde. Der Schnitt ist ähnlich wie der einer Rubakha, nur das hier der Schlitz mittig sitzt und länger ist. Außerdem gehen die Ärmel nur bis zum Handgelenk und der Saum reichte mindestens bis zum Knie, er konnte aber auch bis zur Mitte der Waden reichen (WICHTIG Darstellung beachten!). Auf der Svita trug man gewöhnlich einen Stoffgürtel z.b. aus Wolle oder Seide.

Der Kaftan:

Ein Kaftan ist das Pendant zum nordischen Klappenrock. Es gibt ihn in vielen unterschiedlich Formen, die alle aufzuzählen hier den Rahmen sprengen würde. Er bestand i.d.R. aus Wolle, Loden, Seide oder Brokat und war z.T. unterlegt mit Leinen. Er hatte meist eine Ärmellänge die bis zu den Handgelenken reichte, aber es gab auch Ärmellose Kaftane (Wichtig, keine Halbarm Versionen!). Der Saum des Kaftans reichte mindestens bis zu den Knien, konnte aber auch bis zur Mitte der Waden oder bis zu den Knöcheln reichen. Er war das übliche Kleidungsstück der Boyaren und Druziniki und somit quasi ein Standeszeichen. Er wurde mit quergelegten Borten über der Brust verziert, überlappte vorne und wurde mit einer Knopfleiste verschlossen. Manche besonders edele Varianten wurden noch mit Stickereien versehen und mit Fell verbrämt (an den Ärmeln, dem Hals und dem Saum). Er wurde immer mit einem Gürtel getragen, meist aus Leder oder auch aus Stoff oder sogar beidem.

Der Umhang (Korzna):

Der Korzna war ein Umhang, welcher meist rechteckig war. Es gab jedoch auch Halbkreismodelle, diese wurden aber nur von der absoluten Oberschicht der Rus getragen. Je nach Funktion (zum Wärmen oder zu representiven Zwecken) variiert das Material von Wolle über Loden oder Seide bis hin zu Brokat. Er wurde auf der Schulter geschlossen mit einer Fiebel oder aber vor dem Hals mit einer Umhangschließe.

Die Mütze (Kopca):

Viele glauben das die typische Rusmütze, eine Zipfelmütze mit langer Spitze wäre, das ist leider falsch! Diese Zipfelmütze ist ein Kleidungsstück, welches man primär den Varaegern (Schweden) zuschreiben muß, zwar gibt es auch einen Fund einer Mützenspitze aus Kiev, jedoch macht ein einzelner Fund, solche Mützen nicht zur representiven Mütze der Rus.Dazu sei noch vermerkt das der Zipfel nur bis zum unteren Ende der Fellverbrämung reichte und nicht wie von vielen getragen bis zum Hals oder gar der Schulter. Nun aber zurück zur Rus. Die übliche Mütze der Rus (Kopca), ist eine runde Mütze mit Fellverbrämung. Die Mützen bestanden meist aus Wolle, Loden oder Filz und waren z.T. mit Leinen und selten auch mit Fell gefüttert. Als Fellverbrämung taugen Fuchs, Wolf, Bieber oder Zobel (bitte kein Kaninchen oder Schafsfell!).


Schuhe:

Halbschuhe (Porshni):

Die Porshni, waren Lederschuhe die nur bis maximal knapp über die Knöchel gehen und wurden mit Lederbändern oder Kordel umwickelt und somit verschlossen.

Halbstiefel (Polusapozhki):

Die Polusapozhki, waren halbhohe Lederschaftstiefel, welche maximal bis zur Mitte der Waden reichten.

Stiefel (Sapogi):

Die Sapogi, waren Lederschaftstiefel, welche bis zum Knie gingen und waren z.T. mit einem Knieschild versehen.

Bastschuhe (Lapti):

Die Lapti, waren die Schuhe der einfachen Bevölkerung der Rus (meist in ländlichen Regionen) und bestanden aus dem Bast der Birke.

Schuhe allgemein:

Allen Schuhen (mit Ausnahme der Lapti) oder Stiefeln ist gemein das sie je nach Vermögen noch mit Stickereien versehen werden konnten und sogar aus farbigen Leder bestehen konnten (verbreitete Farben waren: gelb, blau, rot oder grün). Darüberhinaus ist noch zu sagen das es in der Rus keine Knebelverschlüsse (egal ob aus Horn oder Holz) gab. Die Stiefel waren immer komplett geschlossene Schaftstiefel ohne Verschluß.

Der Ledergürtel:

Der typische Rusgürtel besteht aus einem zwei riemensystem. Das heißt, das der Gürtel neben dem üblichen Riemenende mit Zunge (hier Schmuckriemen), noch über einen Innenriemen verfügt, welcher durch die Schließe gezogen und somit der Gürtel verschlossen wird. Das eigentliche Gürtelende wird einmal um den Gürtel geschlagen und dient nur der Zierde. Je nach Vermögen verfügt der Gürtel über weitere Schmuckriemen, die an diversen Stellen am Gürtel angebracht werden können. Die Rusgürtel verfügen darüberhinaus noch über ein für die Rus typisches Stilelement, die Beschläge. Bei den Gürtelbeschlägen handelt es sich um Statussymbole, denn je höher der eigene Stand, desto mehr Beschläge befinden sich auf dem Gürtel. So reicht die Anzahl der Beschläge, von 10cm Abstand zwischen den Beschlägen, bis hin zu nur wenigen Millimetern zwischen den Beschlägen. Jeder Schmuckriemen ist auch komplett beschlagen und mit einer Gürtelzunge versehen. Die Rus trugen mehrere Gürtel zusammen, da jeder eine bestimmte Aufgabe erfüllte. So hingen an einem Gurt die Taschen und Beute und an einem weiteren die Waffen (z.b. die Shashka).

Der Stoffgürtel:

Der Stoffgürtel ist ein Stück Stoff (einem Schal ähnlich), meist aus Wolle (einfach) oder Seide (vermögend) welcher zum halten der Kleidung verwendet wird.

Die Gürteltasche:

Es gibt verschiedene Formen von Gürteltaschen und von Verschlußarten. Mögliche Formen sind quadratische und halbrunde Taschen. Als Verschluß dient entweder eine Zunge die am Deckel der Tasche befestigt ist und die man durch eine Schließe, welche am Boden der Tasche befestigt ist zieht, um die Tasche zuverschließen. Eine weitere Möglichkeit ist das auf der Außenseite (vorne) eine Schlaufe angebracht ist, welche man durch ein Loch in der Taschenklappe zieht. Durch diese Schlaufe, zieht man eine am oberen Ende der Tasche befestigte Zunge. Beiden Formen ist gemein das sie (ähnlich wie die Gürtel) mit Beschlägen versehen werden können um seinen Stand noch mehr zu betonen. Außerdem können die Ledertaschen auch in verschiedenen Farben vorkommen (vergleiche hierzu die Schuhe).


Ich hoffe ich konnte euch einen Einblick in die Vielfalt der Kleidung der Rus ermöglichen und euch die landestypischen Stilelemente aufzeigen.
Ich komme dennoch nicht umher hier auch eine Mahnung einzubringen, bitte überlegt euch gut welchen sozialen Stand ihr darstellen wollt und wählt dem entsprechend sorgfälltig die für euch passende Kleidung aus. Ich weiß wie verlockend all diese schönen Kleidungsstücke sind, aber bedenkt auch, wer einen voll beschlagenen Gürtel trägt, dessen restliche Gewandung muß auch entsprechend edel sein. Ein guter dargestellter Handwerker in der Rus kann erheblicher besser auf sein Umfeld wirken als ein halbfertiger Boyar oder ein total überladener Druzinik. Manchmal ist weniger mehr, denkt mal darüber nach. .-)
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